Das Baumhaus ist ein freiwilliges, präventives Gruppenangebot des Caritasverbands Hochrhein e. V., dass sich an Kinder und Jugendliche richtet, die mit einem psychisch erkrankten und/oder suchtkranken Elternteil aufwachsen. Seit dem Jahr 2011 bietet es Kindern und Jugendlichen im Landkreis Waldshut einen geschützten Rahmen. Das Angebot findet an zwei Standorten (Bad Säckingen und Tiengen) statt und wird von sozialpädagogischen Fachkräften begleitet, die den Kindern und Jugendlichen verlässliche Strukturen, Orientierung und Unterstützung geben.
Die Lebenssituation dieser Kinder ist häufig von Unsicherheit, emotionaler Belastung und fehlender Stabilität geprägt. Viele erleben Verhaltensweisen ihrer Eltern, die sie nur schwer einordnen können, übernehmen früh Verantwortung oder entwickeln Schuld- und Schamgefühle. Diese Belastungen zeigen sich auf unterschiedliche Weise: Einige Kinder ziehen sich zurück oder entwickeln Ängste, während andere durch Unruhe, Impulsivität oder Schwierigkeiten im sozialen Miteinander auffallen. Gleichzeitig bleibt ihre Situation oft unerkannt, da psychische Erkrankungen und Suchterkrankungen innerhalb von Familien nach wie vor stark tabuisiert sind.
Genau hier setzt das Baumhaus an. In wöchentlichen Gruppenstunden von jeweils 90 Minuten erleben die Kinder und Jugendlichen einen klar strukturierten Ablauf mit Einstiegsrunde, einem altersgerechten psychoedukativen Teil, gemeinsamen Aktivitäten und einem Abschluss. Ziel ist es, Wissen über psychische Erkrankungen und Sucht zu vermitteln, die eigene Lebenssituationen besser zu verstehen und die Kinder und Jugendlichen in ihrer Entwicklung zu stärken. Eine zentrale Rolle spielt dabei der Austausch mit Gleichaltrigen: Die Kinder und Jugendlichen erfahren, dass sie mit ihren Erlebnissen nicht allein sind, und lernen, neue Bewältigungsstrategien im Umgang mit ihrer Situation zu entwickeln.
Besonders hervorzuheben ist die Niedrigschwelligkeit des Angebots. Die Teilnahme ist für die Kinder und Jugendlichen kostenfrei und der Einstieg in die Gruppe ist jederzeit möglich. Durch einen Fahrdienst wird zudem sichergestellt, dass auch Kinder aus ländlichen Regionen des Landkreises Zugang erhalten und echte Teilhabe ermöglicht wird.
Das Baumhaus hat das Ziel, die Resilienz der Kinder und Jugendlichen zu stärken, ihre psychische Gesundheit zu stabilisieren und langfristig das Risiko eigener Erkrankungen zu verringern. Damit setzt es frühzeitig an und erreicht eine besonders vulnerable Zielgruppe, die im Hilfesystem häufig übersehen wird.
Die Finanzierung des Angebotes ist jedoch nur teilweise gesichert. Öffentliche Mittel decken weniger als die Hälfte der entstehenden Kosten. Daher ist das Baumhaus auf Spenden und zusätzliche Unterstützung angewiesen.